VTU: Architekt des Engineering zwischen OT und IT

DI (FH) Herbert Andert ist Bereichsleiter für EI&C (Electrical Instrumentation and Control) bei VTU Österreich und spricht mit ITSDONE über unsere jüngste Partnerschaft mit dem führenden Anbieter von Prozessanlagen.

 

ITSDONE: Die VTU Engineering plant Anlagen für die Prozessindustrie. Was ist da genau Ihr Aufgabenfeld bzw. worin liegt der USP von VTU?

HERBERT ANDERT: VTU plant Prozessanlagen für die Branchen Pharma, Biotech, Chemie, Öl & Gas und Metallurgie. Dabei decken wir alle technischen Gewerke ab, wie z.B. Verfahrenstechnik, mechanische Konstruktion, Bautechnik, Elektrotechnik und natürlich alles rund um die Automatisierung. Unsere Stärke ist das umfassende Know-how bereits in der Konzeptphase einzubringen und den Auftraggeber – den Anlagenbetreiber – mit einer Generalplanung bis zur erfolgreichen Inbetriebnahme zu begleiten. Da geht es um Investitionen bis 400 Millionen und betrifft Anlagen zur Herstellung von pharmazeutischen Wirkstoffen, Feinchemikalien, petrochemischen Produkten oder zur Abwasser- und Abluftreinigung. In der Automatisierung verplanen wir für große Anlagen tausende Messstellen, deren Informationen zur Steuerung aller Prozesse dienen und entsprechend verarbeitet werden müssen.

Wir sind als One-Man-Show 1990 in Graz gestartet und haben heute über 650 Mitarbeiter an Standorten in Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien, Rumänien und Polen.

Meine Aufgabe ist der standort- und länderübergreifende Ausbau der EMSR- und Automatisierungsabteilung. Dabei lege ich Wert auf die Evaluierung und Etablierung von State-of-the-Art-Technologien sowie die Vorbereitung der VTU auf die weitere Digitalisierung der Prozessanlagen. Wir bieten damit unseren Kunden einen deutlichen Mehrwert in der Planung. Dies war auch der Grund, warum ich auf die Firma ITSDONE zugegangen bin.

 

ITSDONE: Wir freuen uns über diese Partnerschaft, die wir im August 2019 eingegangen sind. Worin genau besteht aus Ihrer Sicht die Schnittstelle in der Prozessoptimierung zwischen Ihrem technischen Know-how und unserer Rolle als IT-Experten? Wir sind ja im Grunde genommen in ganz unterschiedlichen Gebieten tätig. Welche Vorteile ergeben sich für Ihre / unsere Kunden?

HERBERT ANDERT: Gemeinsam mit ITSDONE bauen wir eine Brücke über den tiefen Graben zwischen IT und OT. Die Ebenen der Automatisierungspyramide

 

Automatisierungspyramide_VTU

 

 

bedürfen auch einer entsprechenden Verbindung zw. IT und OT. Vorgaben wie die NIS-Richtlinie, alle Themen rund um das Thema Cyber Security auf der OT-Ebene übersteigen das Wissen der meisten IT-Dienstleister, da kaum oder gar kein Knowhow auf der OT-Ebene vorhanden ist. Mit der OT-Ebene meine ich hier konkret das Wissen über die Funktion und Aufgaben eines MES- oder PLS-Systems.

Hier hat sich ITSDONE als erfahrener Partner herausgestellt, der – gemeinsam mit der VTU – für den Kunden ein durchgängiges System von der ERP bis hin zur Aktor-Sensor-Ebene planen, implementieren und auch betreuen kann. Wir haben gemeinsam mit ITSDONE für unsere Kunden bereits Standardapplikationen erarbeitet, die sowohl der ISO 27001 als auch der IEC 62443 entsprechen und somit als Planungsbasis bzw. Referenz für die jeweiligen Projektanforderungen dienen können.  Dies erspart dem Kunden viel Engineering-Zeit, da aus unserer Erfahrung die interne Änderung von IT-Prozessen oft Termine torpediert.

 

 

ITSDONE: VTU schreibt Arbeitssicherheit und Verantwortung besonders hoch. Wie betreiben Sie für Ihre großen Kunden wirksames Risikomanagement indem Sie das Thema Security in einer immer vernetzteren Welt abdecken, IOT ist hier sicher im Einsatz?

HERBERT ANDERT: Sie sprechen ein sehr, sehr wichtiges Thema an. VTU schreibt sich von jeher die Arbeitssicherheit für Mitarbeiter von VTU und Kundenseite auf die Fahnen. Wir müssen zu jeder Prozessplanung entsprechende Risikoanalysen durchführen. In gleichem Maße gehen wir hier mit dem Thema Cyber-Security um und analysieren die möglichen internen und externen Risiken. Wir sind dazu verpflichtet, den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg unserer Kunden abzusichern. Das bedeutet für uns also eine ständige Weiterentwicklung in allen Themen wie IIoT, Edge-Computing, lokale bzw. globale Vernetzung, Cloud-Technologien, etc.  Für das Thema Cyber Security haben wir mit ITSDONE einen Spezialisten gefunden, der uns nahtlos vervollständigt.

 

ITSDONE: Wir gratulieren Ihnen zum soeben erreichten 2. Platz bei den Austria’s Leading Company (ALC) Awards, was macht VTU unternehmerisch besser als andere? Welche Kriterien wurden hier genau bewertet?

HERBERT ANDERT: Der ALC bewertet wirtschaftliche Leistungskennzahlen, insbesondere Wachstumsparameter. Wir sind natürlich sehr stolz auf diese Auszeichnung und unsere sehr positive Entwicklung.

Unser Erfolgsgeheimnis ist unsere Unternehmenskultur. Ich kann mich noch gut an meinen Eintritt bei der VTU erinnern. Damals hat uns der Geschäftsführer mit folgenden Worten begrüßt: „Herzlich willkommen in der VTU. Wir freuen uns sehr, dass ihr hier bei uns seid. Unser Ziel ist es, dass ihr hier in Pension geht!“ In diesem vielleicht lapidar erscheinenden Satz steckt aber in Wahrheit eine ganz, ganz große Botschaft und Einstellung. Es bedeutet Nachhaltigkeit auf allen Ebenen, Teamarbeit, Kameradschaft, Investition in Mitarbeiter und in die Firma. Nur wer sich wohl fühlt, ist in der Lage, dauerhaft Top-Leistungen zu bringen – und das merken unsere Kunden.

 

 

ITSDONE: Nach IOT, welche technische Entwicklung wäre für Sie im Industriebereich ein Paradigmenwechsel, haben Sie da einen Tipp?

HERBERT ANDERT: Durch die fortschreitende Miniaturisierung der Elektronik bei gleichzeitiger Leistungssteigerung der Rechenleistung bekommen die Feldkomponenten, also auch die kleinsten Sensoren, immer mehr Eigenintelligenz und Kommunikationsmöglichkeiten. Das Industrial Internet of Things, also IIoT, wird meiner Meinung nach so weit kommen, dass diese peripheren Komponenten das Kommunikations- und Konfigurationsinterface bereits „on board“ haben. Die Konfiguration und die Programmteile in der Feldebene werden das klassische System einer übergeordneten SPS ablösen.

Paradigmenwechsel_VTU

 

Auch wenn sich die etablierten Steuerungshersteller sicher mit Händen und Füßen dagegen wehren werden. In Zukunft wird die Logik direkt im Gerät liegen. Es werden nur mehr die Nettosignale eines Gerätes direkt in ein anderes Gerät übertragen, wo sie in einer lokalen Gerätelogik direkt weiterverarbeitet werden, ohne den derzeit notwendigen Umweg über die SPS nehmen zu müssen. Selbiges gilt für Wartungsdaten und notwendige Infos wie für Kennzahlen zur Unternehmenssteuerung. Diese werden durch Edge-Computing bereits direkt an der Datenquelle erfasst und bearbeitet. In Summe braucht man dann nur mehr eine Art „Datenmanager“. Technologien wie TSN werden diese Art von Entwicklung unterstützen, da es herstellerunabhängig sein wird.

ITSDONE: Vielen Dank für das Gespräch.

 

ITSDONE ist Partner von VTU, welche Vorteile dies für Sie als produzierendes Unternehmen hat, erläutert Ihnen Herrn Thomas Piwalt, CSMO bei ITSDONE.

Portrait: Quelle privat / by Foto Helmreich
Grafiken: Quelle: VTU

 

 

23 Mar
VTU: Architekt des Engineering zwischen OT und IT