ITSDONE Talk #4: Meinhard Lukas

ITSDONE Talk #4: Univ. Prof. Dr. Meinhard LUKAS, Rektor JKU Linz

Juni 4, 2020 9:45 am | Veröffentlicht von

ITSDONE Talk ist ein virtueller Roundtable mit Managern und anderen Opinion Leadern in Österreich über Wirtschaft, Modern Workplace und Konnektivität nach dem realwirtschaftlichen shut-down.

Die Wirtschaft dreht sich weiter, Österreich startet soeben aus dem Sleep Modus zurück in einen neuen Arbeitsalltag. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln halten wir fest, wie modernes Arbeiten hierzulande funktioniert. Heute antwortet Univ. Prof. Dr. Meinhard LUKAS, Rektor JKU 

 

“Das Beste aus zwei Welten – für die Zukunft junger Menschen” 

Univ.-Prof. Dr. Meinhard Lukas, Jurist bzw. Zivilrechtsexperte, ist Rektor der Johannes Kepler Universität Linz. Dort ist er u.a. für 20.000 Student/innen und 3.500 Mitarbeiter/innen verantwortlich.

 

Wie schaffen Sie persönlich den Wiedereinstieg? 

Der Lockdown hat an der Universität Dank des Einsatzes unserer Mitarbeiter*innen und der Flexibilität unserer Studierenden ziemlich gut funktioniert. Wir haben in kürzester Zeit einen Betrieb mit über 3.500 Mitarbeiter*innen und 20.000 Student*innen auf Home Office und Distance Learning umgestellt. Und zwar so, dass wir weit über 95 Prozent unserer Lehrveranstaltungen und Prüfungen weiter abhalten konnten.

Denn eines war seit Mitte März unser ganz klares Ziel: In dieser Zeit der Unsicherheit unseren Student*innen die Sicherheit zu geben, dass ihr Studium möglichst weiter laufen kann. Da geht es um Stipendien, um Studiendauer, um die Zukunft junger Menschen.

Auch beim Wiedereinstieg ist das unsere große Vorgabe: Die gesundheitlichen Vorgaben maximal zu erfüllen, aber Prüfungen, Lehrveranstaltungen und andere Dinge in möglichst hoher Qualität anzubieten.

 

Wie verändert sich dadurch gerade die Arbeitsqualität? 

Es war beeindruckend zu sehen, wie flexibel und motiviert unsere Mitarbeiter*innen in dieser herausfordernden Situation reagiert haben. Persönlich fehlt manchmal die Distanz zwischen Privat und Beruf, wenn der Weg von daheim ins Büro in Sekunden bewältigt werden kann. Natürlich fehlen zwischenmenschliche Kontakte. Aber so geht es wohl sehr vielen Menschen.

 

Was wird sich (erst) mittelfristig entwickeln?

Ich glaube, dass wir uns gerade an der Universität neue Formen des Lernens erobern. Und hier meine ich ganz explizit nicht nur das Distance Learning. Ich bin überzeugt, wir werden nach dieser Krise auch die Formen des gemeinsamen Lernens und Arbeitens neu zu schätzen wissen. Im Herbst soll unser neues Learning Center über der Bibliothek eröffnen. Dort wünsche ich mir, dass unsere Studierenden einen weiteren Zugang zum Lernen, zum Erfahren und zum Erleben des Stoffes bekommen können. Hier sollen sich digital und analog, alleine und gemeinsam lernen neu verbinden. Eigentlich ganz nach dem Motto des Regierungsprogramms: Das Beste aus zwei Welten.

 

Wie bringen Sie die Mitarbeiter wieder aus dem Home Office zurück an die Universität?

Natürlich unter den gebotenen Regeln, die eine Pandemie mit sich bringt. Also mit den entsprechenden Distanz- und Hygienevorschriften. Aber es macht als Rektor einer Universität auch stolz zu merken, dass die Mitarbeiter*innen mit Freude zurück ins Büro kommen.

 

Welche Möglichkeiten bietet die Digitalisierung in Ihrer täglichen Arbeit, wo ziehen Sie die Grenze zwischen online und offline?  

Ich habe zwei Töchter im Kindergartenalter. Ich glaube, Sie können sich jetzt ungefähr vorstellen, dass die Grenzen zwischen online und offline, zwischen Büro und Papa sein verschwimmen. Es ist hin und wieder vorgekommen, dass Videokonferenzen von meiner Seite mit den Worten „Ich muss jetzt einen Guglhupf backen“ beendet wurden.

Manchmal war das in den letzten Wochen herausfordernd, aber ich bin in der privilegierten Situation, das als Bereicherung zu sehen. Ich weiß, dass sehr, sehr viele Menschen in Österreich im Moment vor großen Sorgen stehen.

 

Wie machen Sie (für sich) die Krise zur Chance? Welche Rolle spielt Technologie dabei?

Eine Krise ist eine Krise. Da braucht man nichts schönreden.

In den letzten Wochen war es aber sicher so, dass Videokonferenzen und Co. mein Leben deutlich mehr bestimmt haben als davor. Wo ich sonst in Sitzungen war, war es vor dem Laptop. Diese Technologien haben natürlich wahnsinnig viel dazu beigetragen, dass wir Distance Learning in diesem Umfang anbieten konnten und unseren Betrieb so weit wie möglich aufrechterhalten konnten. Eine vergleichbare Situation vor 20 Jahren wäre wohl sehr anders abgelaufen.

 

Ganz kurz: Welches technische Gimmick ist für Sie derzeit unverzichtbar?

 

Erlauben Sie mir, diese Frage anders zu beantworten: Die Situation hat mir sehr eindrucksvoll vor Augen geführt, wie unverzichtbar mein Büro – mein Sekretariat, meine Assistent*innen und mein Büroleiter, ja das ganze große JKU-Team – für mich sind. Deshalb auf diesem Weg ein großes Danke an sie.

 

 

 

Fotocredit: Robert Maybach

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This post was written by Jacqueline Windisch

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